Gruppe Horsturz

Gruppe HÖRSTURZ spielt DREIGROSCHENOPER (Brecht/Weill)

Die Zusammenarbeit zwischen dem Gitarristen Hub Hildenbrand (*1971) und dem Schlagzeuger Reinhard Brüggemann (*1944) in ihrer Gruppe HÖRSTURZ funktioniert nun schon seit 1993. Es ist die gleiche vitale Freude an der Jazz-Musik, vor allem die Suche nach dem Neuen in der Musik, das sie verbindet.      Auf der Suche nach musikalischem Material aus der europäischen Musiktradition machte Hub Hildenbrand 1997 den Vorschlag für ein neues HÖRSTURZ-Experiment: die Musik der Dreigroschenoper (Brecht/Weill) aus dem Jahre 1928. In Rotterdam hatte er den polnischen Kontrabassisten Maciej Domaradzki kennengelernt. Mit diesem zusammen sollte der Versuch gemacht werden, die komplette Musik der Dreigroschenoper im Jazz-Trio neu zu interpretieren. Nicht einzelne Songs sollten gespielt werden – wie es viele Künstler machen – sondern der genaue Ablauf der Musik des Komponisten Kurt Weill der Dreigroschenoper– ohne Texte – sollte durch HÖRSTURZ neu dargestellt werden. Das hatte noch keine Jazz-Gruppe getan.Der Jazz des Schwarzen Amerikas erreichte Europa um 1920 als kuriose, neue Tanzmusik, die in den vergnügungssüchtigen Metropolen Europas als Sensation galt. Kurt Weill verarbeitete dies in der Dreigroschenoper– er wollte „heiße Musik mit heißen politischen Themen“ verbinden. Obwohl sie keine „richtige“ Jazz-Musik ist, hat die Musik von Kurt Weill einen eigenen, neuen Klang, der dem damaligen Zeitgeist entsprach und noch heute mitreißend ist. HÖRSTURZ spielt alle Musikstücke dieser Oper nach den Noten, geht aber gleichzeitig darüber hinaus und verarbeitet sie zu neuer Musik.

Nach dem ersten Konzert im Oktober 1997 traf sich HÖRSTURZ im März 1998 zu den Aufnahmen für die CD „Gruppe HÖRSTURZ spielt Dreigroschenoper“ in Rotterdam (NL).

Durch die intensive Beschäftigung mit den Kompositionen von Kurt Weill und die jazzmäßige Neuinterpretation bei den Aufnahme-Sessions entwickelte sich neben der angriffslustigen, aggressiven Grundhaltung auch die Melancholie und die Behutsamkeit von HÖRSTURZ der Weill’schen Musik gegenüber, angestoßen auch durch das Studium der Biografien von Brecht und Weill.

 Das Uraufführungsjahr 1928 der Dreigroschenoper war der wirkliche Höhepunkt der legendären 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Es bildete die Mitte zwischen den verhängnisvollen Weltkriegen. Schon 1929 zerbrach die Weltwirtschaftskrise den gerade wieder erreichten Wohlstand. Die reaktionären Kräfte wurden immer stärker und forderten – auch mit Gewalt – sogenannte gesunde, volksdeutsche Kultur im Gegensatz zur gerade erblühten, frühen, internationalen Moderne. Welche Talente wurden 1933 aus dem Land getrieben, welche kulturellen Quellen verschüttet, welche Geister mundtot gemacht! In welches „schwarze Loch“ stürzten danach Deutschland und Europa!
Nach diesem schwierigen 20. Jahrhundert – jetzt im 21. – Jazz zu spielen, ist es einerseits eine Selbstverständlichkeit von Außenseitern, es regt keinen mehr auf. Andererseits ist der Jazz das herausragende musikalische Ereignis des letzten Jahrhunderts, das Geschenk der unterdrückten Schwarzen Nordamerikas an die Welt. Grenzen zu überschreiten, Freiheit wahrzunehmen und sie aktiv mit den Anderen, Fremden zu gestalten, ist die Botschaft des Jazz. Für diese Tugenden stehen auch die Vorbilder Bertolt Brecht und Kurt Weill.

 

Diese Freiheit ist nie wieder aus der Hand zu geben!

R.B.

cd reviews ( in German )

www.hubhildenbrand.de

 


 
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